Ein Unterschlupf im Garten
Schrebergärten sind nicht bloß städtische Rückzugsorte. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes persönliche Naherholungsgebiete, eingebettet in viel Grün und viel Ruhe. Einen dieser Erholungsorte hat nun BYRÓ architekti in Prag entworfen: den Zahradní Pavilon.
Die europäische Kleingärtnerliga zählt mehr als drei Millionen Familien aus fünfzehn Ländern in Europa zu ihren Mitgliedern. Darunter sind auch Adam and Tereza Petrusek, die in Prag ein Schrebergartenhaus in einer Gartenkolonie nahe der Moldau besitzen. Den Zahradní Pavilon (Gartenpavillon) – nur zehn Minuten von ihrem Wohnsitz entfernt.
Die Hektik der Großstadt wird hier einfach ausgeblendet. Der Gartenpavillon ist also eine echter Ruhe- und Wohlfühlort. Ein Ort zum Durchatmen.
Entworfen wurde der Zahradní Pavilon vom Architekturstudio BYRÓ architekti, dessen Büro sich ebenfalls in der tschechischen Hauptstadt befindet. Sein Auftrag lautete dabei im Vorfeld: Aus Alt mach Neu. Familie Petrusek wollte auf dem Fundament ihres alten, baufälligen Holzhäuschens etwas Modernes errichten – ohne den offenen Charakter des Gartens zu beeinträchtigen. Und so kreierten die Architekten auf den ehemaligen Grundmauern ein kompaktes Gebäude mit einer Grundfläche von lediglich fünfzehn Quadratmetern und einer Höhe von knapp fünf Metern.
Ganz natürlich
Da das Grundstück nicht an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen ist, erfolgt die Stromversorgung zwingend nachhaltig – durch Photovoltaikmodule auf dem abgeschrägten Dach des Schrebergartenhauses. Diese decken den Grundstrombedarf des ungewöhnlichen Objekts und ermöglichen somit einen grünen Lebensstil im Grünen. Die Fenster wurden darüber hinaus so ausgerichtet, dass auf künstliche Beleuchtung weitgehend verzichtet werden kann, „wodurch der Pavillon energetisch im Einklang mit seiner Umgebung steht“, wie es heißt. Übersetzt: Hier ist man mit der Natur im Einklang.
Um einerseits diese Verbindung zwischen Innen und Außen noch stärker hervorzuheben, andererseits die nutzbare Fläche des Hauses für seine Bewohner zu erweitern, entwarfen die Architekten den unteren Teil der Pavillon-Fassade als bewegliche Polycarbonatwand. Diese kann mit einem Mechanismus aus Stahlseilen, Flaschenzügen und Gegengewichten – vom Prinzip ähnlich einem Garagentor – nach oben hin geöffnet werden. Im offenen Zustand dient dann die Front als Vordach. Die Grünfläche vor dem Haus wird so zum Teil des Hauses, der an Hitzetagen im Schatten liegt und bei Regenwetter trocken bleibt. Umgekehrt wird der Pavillon mit der vollständigen Öffnung der Fassade ein Teil des Gartens. Die Grenzen zwischen Heim und Natur verschwimmen noch mehr.
Rustikale Harmonie
Im Inneren schaffen verputzte Wände eine freundliche Atmosphäre. Ebenso die helle Holzverkleidung an der Rückwand, in die ein Bücherregal sowie eine Leiter zum oberen Bereich des Häuschens integriert sind. Dort finden zwei Personen Platz zum Schlafen. Die offene Deckenkonstruktion aus Holzlatten sorgt dabei für eine lichtdurchflutete, helle, warme Stimmung, die sich im Laufe des Tages durch den Einfall der Sonnenstrahlen natürlich verändert.
Einen Kontrast dazu stellt die Fassade des Pavillons dar. Typischerweise sind die regionalen Lauben und Gartenhäuschen dunkel gehalten. Sie besitzen wenige Fenster, eine eher unregelmäßige Ästhetik und strahlen etwas rustikales aus. Byró Architekti griff dieses Konzept auf und entschied sich beim Zahradní Pavilon für eine Verkleidung aus geschwärztem Holz in der traditionellen japanischen Shou-Sugi-Ban-Technik. Die verkohlte Oberfläche verleiht dem Gebäude eine besondere Haptik und schützt das Holz vor Witterungseinflüssen.
Mit diesem Gartenpavillon haben Byró Architekti ein Bauwerk geschaffen, das nicht nur die Bedürfnisse der Bauherren erfüllt, sondern auch ein spannendes Beispiel für moderne Architektur in Prag darstellt. Der Pavillon steht sinnbildlich für die Verbindung von Tradition und Innovation, von Funktionalität und Ästhetik. In einer Stadt, die für ihre geschichtsträchtigen Bauten bekannt ist, zeigt dieser minimalistische Rückzugsort, wie zeitgenössische Architektur sensibel in eine gewachsene Umgebung integriert werden kann.
Text: Eva Schroeder
Fotos: BYRÓ architekti