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Warten ist hier wundervoll!

Wer hätte gedacht, dass Warten so einladend sein kann? Das Büro Holzhausen Zweifel hat es möglich gemacht. So steht nun an der Bus Station Zürich hinter dem Hauptbahnhof das wohl schönste und funktionalste Wartehäuschen der Stadt.

Der Zürcher Hauptbahnhof zählt zu den meistfrequentierten Bahnhöfen Europas. Rund 400.000 Fahrgäste steigen hier täglich ein, aus und um. Es dürfte kaum verwundern, dass ein derartiger Reise-Hotspot direkt mit weiteren Verkehrsknotenpunkten verknüpft ist – und so liegt in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs die Bus Station Zürich, der zentrale Halteplatz für Fern- und Reisebusse.

Hier, Ecke Limmatstraße und Sihlquai, wurde der Busbahnhof von dem in Zürich gegründeten und (haupt)ansässigen Architekturbüro Holzhausen Zweifel mit einem neuen Bau aufgewertet. Ein Gebäude, das seit 2024 im Zürcher Fernverkehrsnetz eine gewichtige Rolle spielt, ist es doch Jahr für Jahr ein Aufenthaltsort für Zehntausende Buspassagiere, die hier ankommen und abfahren. Der Fokus des Büros lag trotz der temporären Nutzung des Wartehauses (es soll nach 2035 wieder abgebaut werden) auf hochwertiger Gestaltung, die den gesamten Parkplatz optisch aufwertet.

Nächste Station: Geschichte

„Die Anordnung der neuen Haltekanten sparte auf der südöstlichen Grundstückseite einen Platz aus, auf welchen wir aufgrund der sehr beschränkten Platzverhältnisse ein schmales langes Gebäude stellten, welches zugleich räumlicher Abschluss als auch Auftakt der neuen Zürich Bus Station ist“, so Holzhausen Zweifel.

Bus Station Zürich
Gerade wenn es dunkel wird, sieht das Wartehäuschen besonders einladend aus.

Das Team ließ sich in der Planung von Garderobengebäuden, Garagen und anderen Lagerstrukturen inspirieren. Auch die Vergangenheit des Aufstellungsortes spielte eine zentrale Rolle: Im Jahr 2017 in Bus Station Zürich umbenannt, war er als Carparkplatz Sihlquai bekannt. Ein Parkplatz mit Geschichte, denn hier befand sich Anfang der 1980er das Autonome Jugendzentrum (AJZ) an der Limmatstrasse, Ausgangspunkt der damals heftigen Jugendunruhen.

Die Geschichte des Ortes inspirierte die Architekten dazu, den Ort offen und freundlich zu gestalten. Heute erinnert das neue Gebäude subtil an diese Vergangenheit, indem es als öffentlicher Ort der Begegnung fungiert.

Ein enger Gürtel

Aufgrund des kurzen Nutzungshorizonts mit einem geringen Budget ausgestattet, „wurde bei allen Planungsschritten mit Bauherrschaft und Nutzerschaft über ‚must-have‘ und ‚nice-to-have‘ diskutiert“, sagt Lena Stamm. Sie ist eine der Architektinnen des Projekts. Die Herausforderung bestand nun darin, mit begrenzten finanziellen Mitteln ein nicht nur funktionales, sondern auch architektonisch ansprechendes Gebäude zu schaffen. Der Fokus lag daher auf der Balance zwischen Kostenersparnis und gestalterischem Anspruch. So ist die Bus Station Zürich auf eine möglichst einfache Struktur reduziert. Zum Einsatz kamen zudem günstige Materialien, so das Studio.

Bus Station Zürich
Natürliches Licht und warme Farben …

Bus Station Zürich
… sorgen für eine angenehme Atmosphäre.

Entstanden ist ein Betriebsgebäude in Holzbauweise mit Wellblechvordach, das einen großen Überstand aufweist und durch filigrane Metallstreben gestützt wird. „Die Fassade besteht aus gestrichenen 3-Schichtplatten, die sich einfach flicken und überstreichen, oder kostengünstig ersetzen lassen“, wie Holzhausen Zweifel erklärt. Die dunkelgrüne Farbe sorge für eine ruhige, aber markante Präsenz im Stadtraum, so das Architekturstudio.

 
Klare Formen, klare Zukunft

Zahlreiche Fenster, die in einem hellen Holzrahmen in die Fassade integriert sind, sorgen für natürliches Licht im Inneren. Auch der eigentliche Warteraum ist aufgrund großflächiger Glasfronten lichtdurchflutet. Die klare Formensprache sorgt hier ebenso für eine angenehme Atmosphäre wie die in einem warmen Gelbton gestrichene Decke. Der Boden wiederum „ist die sichtbare Oberfläche der Fundamentplatte, in den Nassbereichen mit einem zusätzlichen Kunstharzanstrich versiegelt“, so das Büro.

Bus Station Zürich
Alle Bauteile können wieder demontiert werden.

Und man wirft abschließend auch gleich einen Blick in die Zukunft: „Aufgrund der Standzeit von 15 Jahren ist der Rückbau bereits mitgedacht: Alle Bauteile können demontiert und rückgebaut werden, Verbundmaterial wurde weitgehend vermieden.“

Text: Resi Reiner, Michi Reichelt
Bilder: Jürgen Beck

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