Akabeko, 4Space, Dubai
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Alte Kultur auf neuem Boden

Im Zentrum der Innengestaltung des neuen Gourmet-Tempels Akabeko in Dubai durch 4SPACE steht das Spiel zwischen Licht und Schatten. Traditionelle japanische Ästhetik trifft in der arabischen Stadt der Superlative auf modernes Design.

Eine der zentralen Erkenntnisse des Zen-Buddhismus ist es, dass in unserer vergänglichen, sich ständig ändernden Welt nichts von Dauer und alles im steten Wandel begriffen ist. Wenige Orte führen dies auf so eindrückliche und vielschichtige Weise vor Augen, wie die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Ständige Veränderung und pulsierende Vitalität sind hier quasi zur gesellschaftlichen Maxime erhoben.

Einige der imposantesten Zeugnisse dafür finden sich vor der Küste Dubais, der bevölkerungsreichsten Stadt der VAE. Hier, im azurblauen Wasser des persischen Golfs, hat der Mensch gigantische Inselgruppen in Form umrahmter Palmen erschaffen. „The Palm Jumeirah“, die berühmteste dieser künstlich erschaffenen Inseln, bietet seit etwa zwanzig Jahren auf 560 Hektar Fläche Platz für mehr als 5.000 Gebäude, 30 Hotels und Wohnraum für mehr als 25.000 Menschen aus aller Welt.

Yakiniku-Dining im raffinierten Ambiente

Wen es in diesem geradezu babylonischen Gewirr und Gedränge an einen Ort der Ruhe zieht, dem sei ein Besuch im Akabeko angeraten. Das Akabeko ist nicht nur Dubais erste Adresse in Sachen gehobener japanischer Grillküche, unter dem Namen Yakiniku bekannt. Das Restaurant besticht auch mit dem Interior Design von 4SPACE, insbesondere dem elaborierten Beleuchtungskonzept.

Akabeko, 4Space, Dubai
Der Gourmet-Tempel für gehobene japanische Grill-Küche ist im Stamm der künstlichen Insel-Palme im persischen Golf versteckt.

Versteckt im Stamm der Insel-Palme bietet das Akabeko den Gästen eine reichhaltige Auswahl an Speisen. Bis auf einige wenige vegetarische Optionen wird hier dem japanischen Wagyū-Rind und den traditionellen Arten seiner Zubereitung gehuldigt. Das Restaurant fährt dabei das „Nose-to-Tail“-Konzept. Damit ist gemeint, dass auch häufig vernachlässigte Teile des Rindes zubereitet werden. Dies ist für Yosuke Matusoka, den illustren Küchenchef des Akabeko, ein Zeichen für nachhaltige Gastronomie und dafür, dass man das Tier ehrt.

Mythische rote Kuh als Glücksbringerin

Das Rind ist dabei aber nicht nur Fundament des Angebots an Speisen, sondern zugleich programmatischer wie optischer Fokuspunkt des Akabeko. Wenig überraschend, wenn man erfährt, dass dieser Name ursprünglich zu einer mythologischen Gestalt in Form einer roten Kuh gehört. Sie hat einen prominenten Platz im Schatz traditioneller Überlieferungen und in der Folklore Japans inne. Der Legende nach hat die rote Kuh den Menschen im 17. Jahrhundert nach einem Erdbeben in der Präfektur Fukushima Segen und Gesundheit gebracht.

Akabeko, die rote Kuh
Die mythische japanische Figur der roten Kuh soll Glück und Wohlstand bringen.

Das Akabeko im Emirat Dubai versteht sich demnach als Ort der Tradition, der Überlieferung. Und zugleich als Ort, an dem man aus der Ruhe der Gegenwart den Blick auf die sich ewig wandelnde Natur des Lebens richten kann.

Wabi-Sabi als ästhetisches Konzept

Diese Haltung entspringt dem Wabi-Sabi, einem ästhetischen Konzept, welches eng mit dem Zen-Buddhismus verbunden ist. Kontemplation über den ständigen Fluss und die Endlichkeit aller Dinge, Freude an der erhabenen Schönheit des Alltäglichen, die Poesie der Einfachheit und die Frische jeder Erfahrung bilden zentrale Aspekte dieser Philosophie.

Eine tiefe Verinnerlichung der Wabi-Sabi-Ideen ist dem Akabeko deutlich anzumerken. Natürliche Materialien, texturierte Oberflächen und klare Formgebung erschaffen eine Leinwand, auf der die von 4SPACE überwiegend indirekt eingesetzten Lichtquellen komplexe, sich stetig wandelnde Erscheinungen und Muster erschaffen. Als eines der renommiertesten Architektur- und Interior Design-Büros der Region nimmt 4SPACE für sich in Anspruch, Licht und Raum stets mit fein abgestimmten Designelementen zu kombinieren.

Akabeko, Interior Design von 4SPACE
Das Leitmotiv der roten Farbe zieht sich durch das gesamte Einrichtungskonzept.

Akabeko, Interior Design von 4SPACE
Das ästhetische Konzept orientiert sich an der japanischen Philosophie des Wabi-Sabi.

Naturstein, Holz und Textilien, allesamt mit griffiger Textur, sowie der Einsatz einer dunklen, gedeckten Farbpalette, ergänzt durch Akzente in tiefem Rot und dem beruhigenden Grün vereinzelt platzierter Bonsai-Bäume verleihen dem Akabeko eine warme, organische, intensive Authentizität. Ein eventuell aufkeimender Anflug von Schwere wird durch die offene Raumaufteilung und die Anordnung der Tische genommen.

Nachhaltig Grillen mit modernster Technik

Dem preisgekrönten, in Dubai ansässigen Design-Studio 4SPACE war dieser Fokus auf schlichte Eleganz und tiefgründige Natürlichkeit nicht nur aus inhaltlichen und ästhetischen Gründen wichtig. So legte das Design-Team unter der Leitung von Firas Alsahin und Amjad Hourieh bei der Gestaltung auch großen Wert auf Nachhaltigkeit und effizienten Einsatz von Ressourcen. Daher wurde beispielsweise auf modernste Technik gesetzt, um den Herausforderungen zu begegnen, die sich aus der speziellen Art und Weise ergeben, wie die Speisen im Akabeko zubereitet werden.

Akabeko, Dubai
Natürlichkeit der Materialien: Viel Naturstein und Holz. Große Bonsais dienen als stilechte Bepflanzung.

Akabeko, Dubai
Mit lichtdurchlässigen, traditionellen Shōji-Schiebetüren aus Holz und Papier lassen sich Séparées schaffen.

Inspiriert von koreanischen Gerichten wie Bulgogi oder Galbi entstand im Japan des neunzehnten Jahrhunderts das Yakiniku: Die Zubereitung von Fleisch und Gemüse auf einem Grill in der Mitte des Esstisches. Diese Spielart des Indoor-Barbecue gilt unter Kennern als beste Methode, die Qualitäten des herausragenden – und mit Preisen von 1.000 Euro und mehr pro Kilogramm recht kostspieligen – japanischen Wagyū-Rindfleischs mit seiner charakteristischen Marmorierung zur Entfaltung zu bringen. Daher sind die Tische des Akabeko mit entsprechenden Grills ausgestattet.

Design-Award für das Akabeko

Um den bei Yakiniku unvermeidbaren Rauchschwaden und Duftwolken entgegenzuwirken, handelt es sich bei der Ausstattung des Akabeko samt und sonders um energiesparende, rauchfreie Spezialanfertigungen. So bleiben Raumatmosphäre und Eleganz bestmöglich erhalten, gleichzeitig ist der Betrieb energiearm.

Akabeko
Die in den Tischen integrierten Grills sind energiesparende, rauchfreie Spezialanfertigungen.

Das Akabeko stellt so ein gelungenes Beispiel für die Symbiose von japanischer Tradition und hochmodernem, verantwortungsbewusstem Design dar. Die kunstvolle Gestaltung hat dem in Dubai ansässigen 4SPACE Design-Studio bei den jüngsten CID-Awards 2024 die Auszeichnung „Interior Design of the Year Food & Beverage Casual“ eingebracht.

Die Commercial Interior Design Awards werden von der Zeitschrift Commercial Interior Design organisiert, die Teil der ITP Media Group ist. Die Auszeichnungen würdigen herausragende Leistungen im Bereich Innenarchitektur im MENA-Raum (Naher Osten und Nordafrika). Die Preisverleihung findet jährlich in Dubai statt.

Akabeko, Dubai
Das Akabeko hat 4SPACE den Award „Interior Design of the Year Food & Beverage Casual“ eingebracht.

Zu hoffen bleibt, dass die Vergänglichkeit aller Dinge und der Dubai innewohnende Hang zu Erneuerung und Umgestaltung noch eine ganze Weile einen weiten Bogen um den Gourmet-Tempel machen. Buddhistische Weisheit und wirtschaftliche Dynamik hin oder her – manches ist es wert, zu überdauern.

Text: Linda Benkö
Fotos: Anas Rifai

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